Cybermobbing in sozialen Medien

Unsere Kinder pflegen Freundschaften über WhatsApp und Facebook, Snapchat und Instagram. Wenn Feindschaften im Netz ausgelebt werden, sprechen Experten von Cybermobbing. Wir erklären, wer warum zum Opfer wird und wer weshalb zum Täter. Und wie Eltern ihren Kindern helfen können.

Zuerst kommen die Sprüche: Weichei, Schlampe, Kanake. Im nächsten Schritt werden etwa die Sportklamotten über den Boden verteilt, danach wird es körperlich: an den Haaren ziehen, Ellbogenchecks, Tritte. Mobbing tritt eine Spirale seelischer und körperlicher Gewalt los, brutal und gemein.   

Cybermobbing ist noch gemeiner und brutaler, denn hier dreht sich die Spirale weiter. Was auf dem Schulhof oder in der Umkleidekabine passiert, erfahren nur die Klassen- oder Sportkameraden. Doch die fiesen Sprüche bei Facebook, die kriegen alle mit. Aufnahmen des heulenden Elends von der Party werden über Instagram verbreitet. Auch das freizügige Foto, per Snapchat gesendet, wird zwar automatisch gelöscht, kursiert aber als Screenshot weiter. Zum Beispiel bei der WhatsApp-Gruppe, in der sich der Rest der Klasse austauscht.

Kritik und Ablehnung in diesen sozialen Medien trifft gerade Jugendliche ins Herz. Sie nutzen Facebook und Co. nicht zuletzt als Bühne, um zu zeigen, wie cool und lässig sie sind. Wenn sie auf dieser Bühne – um im Bild zu bleiben – mit Tomaten beworfen werden, zieht es ihnen den Boden unter den Füßen weg. Die 13-jährige Elisabeth erzählt, wie sie von Mitschülern in Chats „beleidigt wurde mit: Du kriegst keinen Freund, weil du Pickel hast und weil du dick bist“. Gezielte Falschinformationen oder auch der Ausschluss aus Gruppenchats sind bei Facebook oder WhatsApp keineswegs unüblich – Cybermobbing hat viele Formen.  

Daten im Netz: Gefahr des totalen Kontrollverlusts

Ob fiese Sprüche, peinliche Videos oder freizügige Fotos: Was im Netz verbreitet wird, zieht immer weitere Kreise und ist – einmal in der Welt – nicht wieder einzufangen. Für die Betroffenen ist das verheerend: Sie haben keinerlei Kontrolle darüber, wer die beschämenden Partyfotos zu sehen bekommt oder im Internet mitpöbelt. „Das Schamgefühl und das Verletzt-Sein ist so schlimm wegen der großen Öffentlichkeit", sagt die Psychologin Catarina Katzer. „Das macht die Opfer so hilflos und schutzlos.“

Denn Opfer müssen nicht einmal körperlich präsent sein, um drangsaliert zu werden. Cybermobbing passiert zu jeder Tages- und Nachtzeit, und die ganze Welt schaut zu. Bereits drei von vier Mobbing-Attacken, besagen Studien, laufen über Netzwerke wie Twitter, Snapchat oder WhatsApp.

Die Folgen können katastrophal sein und sogar tödlich enden.

Smartphones bieten Plattform für Cybermobbing

Cybermobbing läuft vor allem über das Smartphone. Ohne Handy können Jugendliche heute nicht mitreden – im Wortsinn. Die Interaktion findet hauptsächlich über soziale Medien statt. Die favorisierten Anbieter und Formate wechseln zwar, eines jedoch bleibt: Das Palaver findet in den sozialen Medien statt – nicht auf der Straße.

Smartphones dienen der sozialen Vernetzung – und werden gerade deshalb ebenso zur sozialen Ausgrenzung genutzt. „Die multimediale Ausstattung der Mobiltelefone mit Foto- und Videokamera, Sprachaufzeichnungsmöglichkeit und Internetzugang gibt jungen Menschen im Kontext des Mobbings leicht nutzbare Technologien an die Hand“, warnt die Polizei. Und diese Möglichkeiten werden genutzt zum Beschimpfen und Beleidigen, zum Bedrohen und Verleumden.

Den Betreibern von Social Media ist das Problem durchaus bewusst. Facebook etwa hat extra eine Hinweisseite eingeführt. „Vorfälle von Mobbing sowie anstößige Inhalte kannst du jederzeit direkt auf der Seite melden“, steht dort. „Ein Team kümmert sich speziell darum, alle Inhalte, die gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen, zu finden und zu löschen und den Meldungen nachzugehen.“ Der Hinweis hat bislang 189 Likes. 

Wer wird zum Opfer? Wer zum Täter?

Zum Opfer von Cybermobbing kann jedes Kind und jeder Jugendliche werden. Ins Visier der Täter geraten vor allem junge Menschen, die irgendwie „anders“ wirken. Betroffen sind oft Kinder, die aufgrund ihres Aussehens stigmatisiert sind oder sich durch ihre Sprache und Nationalität unterscheiden. Noch entscheidender, so besagen Studien, ist allerdings ein anderer Grund:  Je weniger Selbstbewusstsein ein Mensch ausstrahlt, desto eher wird er zum Opfer.

Auch Opfer können zu Täter werden: Mehr als ein Drittel der Cybermobber war zuvor selbst Zielscheibe von Cybermobbing. Die Logik dahinter ist so simpel wie verstörend: besser zuschlagen als selbst geschlagen zu werden. Viele andere Täter handeln aus einem gewissen Wettbewerb heraus: Sie möchten jemanden bloßstellen,  ihre Grenzen austesten oder sich schlicht die Langeweile vertreiben.

19 Prozent aller Jugendlichen haben sich in sozialen Medien bereits abfällig über andere geäußert. Und viel mehr lassen andere lästern, ohne selbst einzugreifen. „Mobbing ist in der Regel kein individuelles Problem zwischen Täter(in) und Opfer, sondern muss als Prozess betrachtet werden, an dem eine ganze Klasse oder Gruppe in verschiedenen Rollen beteiligt ist“, sagt die Polizei. Anders gesagt: Cybermobbing lebt davon, dass es mehr oder minder stillschweigend unterstützt oder zumindest toleriert werden.

Das Besondere des Internets: Wer über WhatsApp oder Snapchat pöbelt oder witzelt, muss dem Opfer nicht in die Augen sehen und erlebt die Reaktion nicht direkt mit. Von einem „Online-Enthemmungseffekt“ sprechen Experten. Der erleichtert es offenbar Mädchen, als Täterinnen aktiv zu werden: Sie machen rund die Hälfte der Cybermobber aus.

Kinder die im Internet gemobbt werden, ändern ihr Verhalten

Aus Sicht der Opfer gibt es meist nur eine Option, den Rückzug. Wenn Ihr Kind sich also von seinen Freunden zurückzieht, sich in seinem Zimmer verschanzt, sich rapide in der Schule verschlechtert, scheinbar unbegründete Wutanfälle oder psychosomatische Beschwerden (vor allem Kopf- oder Bauchschmerzen) zeigt: Obacht!

So können Eltern ihren Kindern helfen

Niemand ist gern Opfer. Der Satz „Ich werde gemobbt“ ist scham-besetzt, auch für Ihr Kind. Sie können ihr Kind zum Reden ermutigen, sollten es aber nicht drängen. Was Sie tun können: über Mobbing reden und skizzieren, dass sich etwas dagegen tun lässt und wie Sie dabei helfen. Ist das Thema auf dem Tisch und weiß Ihr Kind um Ihre Unterstützung, heißt es abwarten: bis das Kind auf Sie zukommt.

Nehmen Sie die Erlebnisse Ihres Kindes ernst, sprechen Sie ruhig mit ihm und machen Sie ihm keine Vorwürfe, sonst wird es sich Ihnen beim nächsten Mal vielleicht nicht mehr anvertrauen.  

So helfen wir Ihnen und Ihrem Kind

Wenn Sie eine S@fe-Kids-Versicherung, können Sie das weitere Vorgehen Robin Childhood überlassen. Wir setzen alle wichtigen Hebel in Gang, und das sofort: Wir kooperieren mit der Polizei, bereiten Klagen vor und informieren die Täter darüber. Zugleich sichern wir gerichtsfestes Beweismaterial und unterstützen Sie juristisch bei einer Klage.

Diesen Ablauf können Sie zur Richtschnur für Ihr eigenes Vorgehen machen, indem sie Beweise sichern und damit zur Polizei gehen. Cybermobbing ist zwar kein eigener Straftatbestand, Beleidigung, üble Nachrede, Nötigung, Bedrohung und Verleumdung hingegen sehr wohl.

Ob Whatsapp, Snapchat oder Facebook, Instagram oder Twitter: Das Bewusstsein, als Kanal für Cybermobbing missbraucht zu werden, ist bei den Social-Media-Betreibern durchaus vorhanden. Die spezialisierten Anwälte von Robin Childhood sorgen dafür, dass auch Taten folgen und Inhalte gelöscht werden. 

Eltern und Schule müssen einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten fördern

Das Beste wäre natürlich, das Mobbing in sozialen Medien bereits in Ansätzen zu ersticken. „Wer Kinder vor Cybermobbing schützen will, muss auf Prävention setzen“, fordert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). „Den Kindern muss ein verantwortungsvoller Umgang mit ihren Daten zu Hause vorgelebt und in der Schule beigebracht werden." Dafür allerdings müsse die Infrastruktur an den Schulen durch den Staat bereitgestellt und die Lehrkräfte qualifiziert werden. 


In unserem Ratgeberbereich bieten wir Ihnen viele weiterführende Tipps und Informationen zum Thema Verschwinden und erklären, wie Sie Ihr Kind schützen können.