So hart wird Cyber-Grooming bestraft

04.05.2017 Cyber-Grooming

Rund 2000 Cyber-Grooming-Anzeigen gab es 2015 – und jedes Jahr werden es mehr. Die gute Nachricht: Die Strafen für Cyber-Groomer sind hart. Doch es gibt auch Schlupflöcher für die Täter. 

Bis zu fünf Jahre Haft für Cyber-Groomer

Ein Kind im Internet aus sexuellem Interesse zu kontaktieren, ist strafbar gemäß § 176 Absatz 4 Nr. 3 Strafgesetzbuches. Seit 2004 ist Cyber-Grooming verboten und kann mit einem Freiheitsentzug von bis zu fünf Jahren bestraft werden.

Allein die Absicht genügt

Cybergrooming begeht, wer auf ein Kind mittels Schriften oder mittels Informations- oder Kommunikationstechnologie einwirkt. Erfasst sind davon insbesondere Telefonate ebenso wie Chats, E-Mails, SMS, Messenger-Nachrichten und andere Online Kommunikationsformen. Zu tatsächlichen sexuellen Handlungen muss es nicht kommen – allein die Absicht genügt.

„(4) Mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer [...] 3. auf ein Kind mittels Schriften oder mittels Informations- und Kommunikationstechnologie einwirkt, um a) das Kind zu sexuellen Handlungen zu bringen, die es an oder vor dem Täter oder einer dritten Person vornehmen oder von dem Täter oder einer dritten Person an sich vornehmen lassen soll, oder b) um eine Tat nach § 184b Absatz 1 Nummer 3 oder nach § 184b Absatz 3 zu begehen, oder 4. auf ein Kind durch Vorzeigen pornographischer Abbildungen oder Darstellungen, durch Abspielen von Tonträgern pornographischen Inhalts, durch Zugänglichmachen pornographischer Inhalte mittels Informations- und Kommunikationstechnologie oder durch entsprechende Reden einwirkt.“

§ 176 Absatz 4 Nr. 3 ,
Strafgesetzbuch

An diese Belästigungen schließen sich häufig Straftaten wie sexueller Missbrauch, das Anfertigen und oder Weiterverbreiten von kinderpornographischem Material an. Allerdings ist dieser Paragraf umstritten, denn Täter können sich darauf berufen, dass sie ihr Gegenüber für älter eingestuft hätten. Die Beweisführung ist demnach schwierig, auch wenn der Tatbestand eindeutig ist.

Klarer Fall von Cyber-Grooming

Im öffentlichen Chat einer Online-Community wird eine Elfjährige von einem männlichen Spieler angesprochen. Dieser gibt sich als minderjährig aus und beginnt mit dem Mädchen eine virtuelle Wohnung auszustatten. Diese Wohnung besuchen beide täglich, wobei der Täter besondere Möbelstücke, aber auch virtuelle Haustiere wie Katzen- und Hundewelpen zur Ausstattung kauft. So entwickelt sich zwischen dem Opfer und dem Täter ein Vertrauensverhältnis. Kurze Zeit später überredet der tatsächlich 28-Jährige das Mädchen zum Sex in einem realen Hotelzimmer. Überführt wird er durch die Mutter des Opfers, die Gesprächsverläufe mit sexuellen Inhalten auf dem Handy des Kindes entdeckt. Der Täter wurde Ende 2010 zu drei Jahren Haft verurteilt (Middelburg AZ: 2010/12/700056-10).